Sehr kurz eröffnet die Sure al-Fātiḥa (wörtlich „Die Eröffnung“) den Koran als ein an Allāh gerichtetes Gebet aus Lobpreis, Bitte um Hilfe und der Bitte, auf den „geraden Weg“ geführt zu werden.
Täglich im rituellen Gebet rezitiert, gibt sie den Ton der koranischen Frömmigkeit an: ausschließliche Anbetung, Abhängigkeit von Allāh und der Horizont des Gerichts. Sie stellt von Beginn an die zentrale Frage, die der restliche Koran entfalten wird: Was ist der „gerade Weg“ und wie ist er zu erkennen?
Dieser Vers eröffnet den Koran und führt in das tägliche Gebet des Muslims ein. Er wird zu Beginn der fünf Pflichtgebete gesprochen und bei jedem Gebetszyklus wiederholt, das heißt bei jeder vollständigen Abfolge von Bewegungen und Rezitationen, die das Gebet bilden. So wird er im rituellen Gebet mindestens siebzehnmal am Tag ausgesprochen.
Die Formel beginnt zunächst mit dem Namen Allah und verbindet ihn unmittelbar mit zwei Attributen: al-Raḥmān und al-Raḥīm, der Allerbarmer, der Barmherzige. Gleich zu Beginn begegnet der Leser einem Herrn, der sich als mitfühlend vorstellt.
Noch vor jedem Gesetz, noch vor jeder Forderung stellt sich das Wort unter diesen Namen. Die Geste ist schlicht und feierlich. Der Mensch spricht, weil er sich einem Gott anvertraut, der Gnade schenkt.
Die Formel Bismi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm steht am Anfang fast jeder Sure. Sie kennzeichnet die Anfänge. Sie verleiht dem koranischen Text einen beständigen geistlichen Rhythmus.
Der Koran bekräftigt, dass Allahs Barmherzigkeit „alles umfasst“ (Sure 7,156). Die Sure 55 trägt sogar den Titel al-Raḥmān, der Allerbarmer. Das göttliche Erbarmen durchzieht somit die gesamte koranische Botschaft.
Zugleich verbindet der Text die Barmherzigkeit häufig mit der Vergebung, die den Gläubigen gewährt wird. Sie erscheint im Akt des Rettens, des Vergebens oder des gerechten Richtens. Sie entfaltet sich in der Geschichte der Menschen.
Die beiden Namen der Barmherzigkeit haben zahlreiche Diskussionen ausgelöst. Manche Ausleger sehen im ersten Attribut eine allgemeine Güte gegenüber der ganzen Menschheit und im zweiten eine besondere Güte gegenüber den Gläubigen am Jüngsten Tag. Damit tritt die Frage nach dem endgültigen Schicksal in den Vordergrund.
So entsteht eine weitere Frage: Hängt die Barmherzigkeit davon ab, was Allah in seinem tiefsten Wesen ist, oder allein von einem souveränen Beschluss?
Die Bibel bekennt: „Gott ist Liebe.“1 Diese Liebe geht der Schöpfung voraus, nicht als bloße göttliche Selbstgenügsamkeit, sondern weil in Gott von Ewigkeit her eine lebendige Beziehung besteht. Der Vater liebt den Sohn im Geist. So ist die Barmherzigkeit nicht nur ein auf die Welt gerichteter Akt, sondern das Ausstrahlen einer ewigen Liebe, die in Gott selbst vollkommen gelebt wird.
Eine weitere Frage stellt sich, wenn man – wie es die muslimische Tradition tut – bekennt, dass der Koran im Himmel bewahrt wird und von Ewigkeit her besteht (Sure 85,21–22). Wenn dieses Buch ewig bei Allah ist, wie ist dann zu verstehen, dass es mit der Anrufung beginnt: „Im Namen Allahs“? Wer spricht diese Worte? Handelt es sich um eine göttliche Rede, die von sich selbst spricht, oder um ein menschliches Wort, das in einen ewigen Text eingefügt ist? Das Zusammenspiel zwischen der Ewigkeit des Buches und der dialogischen Struktur des Textes eröffnet hier ein theologisches Problem, mit dem sich die islamische Tradition intensiv auseinandersetzen musste.
Die semitische Wurzel r-ḥ-m, die sich in den beiden Begriffen „r-raḥmāni r-raḥīm“ findet, existiert auch im Hebräischen. Das Wort raḥamim verweist auf den Mutterschoß. Es ruft eine tiefe, innige Zärtlichkeit hervor.
Das Alte Testament verkündet: „Der Herr, der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott“ (Ex 34,6). Die Barmherzigkeit wird dort als wesentlicher Zug Gottes dargestellt. Sie beschreibt nicht nur eine einzelne Tat, sondern eine Treue, die im Bund verankert ist.
Der Koran greift diese gleiche Wurzel auf und stellt sie an den Anfang seiner Offenbarung. Dennoch spricht er nicht von einer wirklichen Sohnschaft zwischen Gott und dem Menschen. Die Beziehung bleibt stets die des Dieners vor seinem Herrn.
Der Name al-Raḥmān erscheint in südarabischen Inschriften mehrere Jahrhunderte vor dem Islam. Er bezeichnet bereits einen höchsten Gott, der mitunter als Schöpfer und Richter vorgestellt wird. Der Koran übernimmt diesen alten Titel und identifiziert ihn ausdrücklich mit dem einen Allah.
In den ersten Jahren der islamischen Verkündigung überrascht dieser Name einige mekkanische Zuhörer. Der Koran berichtet von ihrem Erstaunen und zeigt deutlich, dass es eine Diskussion über diese Bezeichnung gab: „Und was ist der Allerbarmer?“ (Sure 25,60)
Sehr früh jedoch wird die Formel Bismi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm zur Unterschrift von Handlungen und Schriften. Sie eröffnet Briefe, Verträge und öffentliche Rezitationen. So prägt die Anrufung der Barmherzigkeit nach und nach das religiöse Bewusstsein der ersten muslimischen Gemeinschaften.
Indem der Koran die Barmherzigkeit an den Anfang des Buches stellt, formt er eine innere Haltung. Der Gläubige nähert sich Allah im Vertrauen, im Bewusstsein, von einem mitfühlenden Herrn abhängig zu sein. Die Beziehung beginnt unter dem Zeichen göttlicher Güte.
Auch der christliche Glaube nimmt diese Barmherzigkeit an, betrachtet sie jedoch durch ein Antlitz: das Christi. In Jesus bleibt die Barmherzigkeit nicht nur ein verkündetes Attribut; sie wird Gegenwart, Wort und Hingabe. Sie zeigt sich in einer Beziehung, in der Gott selbst nahekommt.
So erscheint ein neues Licht: Ist die Barmherzigkeit nur eine Eigenschaft des einen Gottes, oder kann sie zur Gemeinschaft werden, die dem Menschen angeboten wird? Wenn Gott Liebe ist, ist dann die Barmherzigkeit nicht die Einladung, in dieses Leben selbst einzutreten?
Dieser Vers eröffnet den Koran und führt in das tägliche Gebet des Muslims ein. Er wird zu Beginn der fünf Pflichtgebete gesprochen und bei jedem Gebetszyklus wiederholt, das heißt bei jeder vollständigen Abfolge von Bewegungen und Rezitationen, die das Gebet bilden. So wird er im rituellen Gebet mindestens siebzehnmal am Tag ausgesprochen.
Die Formel beginnt zunächst mit dem Namen Allah und verbindet ihn unmittelbar mit zwei Attributen: al-Raḥmān und al-Raḥīm, der Allerbarmer, der Barmherzige. Gleich zu Beginn begegnet der Leser einem Herrn, der sich als mitfühlend vorstellt.
Noch vor jedem Gesetz, noch vor jeder Forderung stellt sich das Wort unter diesen Namen. Die Geste ist schlicht und feierlich. Der Mensch spricht, weil er sich einem Gott anvertraut, der Gnade schenkt.
Die Formel Bismi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm steht am Anfang fast jeder Sure. Sie kennzeichnet die Anfänge. Sie verleiht dem koranischen Text einen beständigen geistlichen Rhythmus.
Der Koran bekräftigt, dass Allahs Barmherzigkeit „alles umfasst“ (Sure 7,156). Die Sure 55 trägt sogar den Titel al-Raḥmān, der Allerbarmer. Das göttliche Erbarmen durchzieht somit die gesamte koranische Botschaft.
Zugleich verbindet der Text die Barmherzigkeit häufig mit der Vergebung, die den Gläubigen gewährt wird. Sie erscheint im Akt des Rettens, des Vergebens oder des gerechten Richtens. Sie entfaltet sich in der Geschichte der Menschen.
Die beiden Namen der Barmherzigkeit haben zahlreiche Diskussionen ausgelöst. Manche Ausleger sehen im ersten Attribut eine allgemeine Güte gegenüber der ganzen Menschheit und im zweiten eine besondere Güte gegenüber den Gläubigen am Jüngsten Tag. Damit tritt die Frage nach dem endgültigen Schicksal in den Vordergrund.
So entsteht eine weitere Frage: Hängt die Barmherzigkeit davon ab, was Allah in seinem tiefsten Wesen ist, oder allein von einem souveränen Beschluss?
Die Bibel bekennt: „Gott ist Liebe.“1 Diese Liebe geht der Schöpfung voraus, nicht als bloße göttliche Selbstgenügsamkeit, sondern weil in Gott von Ewigkeit her eine lebendige Beziehung besteht. Der Vater liebt den Sohn im Geist. So ist die Barmherzigkeit nicht nur ein auf die Welt gerichteter Akt, sondern das Ausstrahlen einer ewigen Liebe, die in Gott selbst vollkommen gelebt wird.
Eine weitere Frage stellt sich, wenn man – wie es die muslimische Tradition tut – bekennt, dass der Koran im Himmel bewahrt wird und von Ewigkeit her besteht (Sure 85,21–22). Wenn dieses Buch ewig bei Allah ist, wie ist dann zu verstehen, dass es mit der Anrufung beginnt: „Im Namen Allahs“? Wer spricht diese Worte? Handelt es sich um eine göttliche Rede, die von sich selbst spricht, oder um ein menschliches Wort, das in einen ewigen Text eingefügt ist? Das Zusammenspiel zwischen der Ewigkeit des Buches und der dialogischen Struktur des Textes eröffnet hier ein theologisches Problem, mit dem sich die islamische Tradition intensiv auseinandersetzen musste.
Die semitische Wurzel r-ḥ-m, die sich in den beiden Begriffen „r-raḥmāni r-raḥīm“ findet, existiert auch im Hebräischen. Das Wort raḥamim verweist auf den Mutterschoß. Es ruft eine tiefe, innige Zärtlichkeit hervor.
Das Alte Testament verkündet: „Der Herr, der Herr, ein barmherziger und gnädiger Gott“ (Ex 34,6). Die Barmherzigkeit wird dort als wesentlicher Zug Gottes dargestellt. Sie beschreibt nicht nur eine einzelne Tat, sondern eine Treue, die im Bund verankert ist.
Der Koran greift diese gleiche Wurzel auf und stellt sie an den Anfang seiner Offenbarung. Dennoch spricht er nicht von einer wirklichen Sohnschaft zwischen Gott und dem Menschen. Die Beziehung bleibt stets die des Dieners vor seinem Herrn.
Der Name al-Raḥmān erscheint in südarabischen Inschriften mehrere Jahrhunderte vor dem Islam. Er bezeichnet bereits einen höchsten Gott, der mitunter als Schöpfer und Richter vorgestellt wird. Der Koran übernimmt diesen alten Titel und identifiziert ihn ausdrücklich mit dem einen Allah.
In den ersten Jahren der islamischen Verkündigung überrascht dieser Name einige mekkanische Zuhörer. Der Koran berichtet von ihrem Erstaunen und zeigt deutlich, dass es eine Diskussion über diese Bezeichnung gab: „Und was ist der Allerbarmer?“ (Sure 25,60)
Sehr früh jedoch wird die Formel Bismi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm zur Unterschrift von Handlungen und Schriften. Sie eröffnet Briefe, Verträge und öffentliche Rezitationen. So prägt die Anrufung der Barmherzigkeit nach und nach das religiöse Bewusstsein der ersten muslimischen Gemeinschaften.
Indem der Koran die Barmherzigkeit an den Anfang des Buches stellt, formt er eine innere Haltung. Der Gläubige nähert sich Allah im Vertrauen, im Bewusstsein, von einem mitfühlenden Herrn abhängig zu sein. Die Beziehung beginnt unter dem Zeichen göttlicher Güte.
Auch der christliche Glaube nimmt diese Barmherzigkeit an, betrachtet sie jedoch durch ein Antlitz: das Christi. In Jesus bleibt die Barmherzigkeit nicht nur ein verkündetes Attribut; sie wird Gegenwart, Wort und Hingabe. Sie zeigt sich in einer Beziehung, in der Gott selbst nahekommt.
So erscheint ein neues Licht: Ist die Barmherzigkeit nur eine Eigenschaft des einen Gottes, oder kann sie zur Gemeinschaft werden, die dem Menschen angeboten wird? Wenn Gott Liebe ist, ist dann die Barmherzigkeit nicht die Einladung, in dieses Leben selbst einzutreten?
1 1 Johannes 4,8 : „Gott ist Liebe.“ — Die Liebe bringt zum Ausdruck, was Gott von Ewigkeit her ist.